Tipps zur Verteidigung in der dunklen Jahreszeit von Coach Yazz

Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Man verlässt morgens im Dunkeln die Wohnung und bei Feierabend ist die Sonne schon längst wieder untergegangen. Vor allem Frauen fühlen sich alleine auf den dunklen Straßen nicht (mehr) sicher. Die Zahl der Straftaten gegenüber Frauen sind von 2015 auf 2016 statistisch gesehen um 5,4 % gestiegen. Die unzähligen Übergriffe gegenüber Frauen, die nicht angezeigt wurden, fehlen in dieser Statistik vollkommen. Schätzungsweise sollen diese Zahlen bis zu 4 Mal höher sein. 2016 fielen in  Deutschland 403.500 Frauen einer Straftat zum Opfer. ( Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik von Feb. 2017) In Hamburg stieg die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen um 25 %.

Die Übergriffe gegenüber Frauen finden jedoch nicht nur auf den öffentlichen Straßen Hamburgs statt. Vom abendlichen Weg nach Hause hin zur häuslichen Gewalt ist es ein Thema, das viel zu oft noch unter den Tisch gekehrt wird.Doch wie und vor allem ab wann sollten Frauen sich verteidigen? Selbstverteidigung fängt nicht erst bei der körperlichen Auseinandersetzung an, sondern beginnt schon bei der alltäglichen Körpersprache.

Die Wahrnehmung der Umgebung ist ein wichtiger Aspekt der Selbstverteidigung. Täter zielen schließlich darauf ab, ihr Opfer alleine und isoliert zu erwischen.

Ob man sich im Bus durch die Zudringlichkeit des Sitznachbarn bedroht fühlt, oder auf dem Weg nach Hause an einer bedrohlich wirkenden Gruppe von Personen vorbeigehen muss, der erste Schritt hin zur Sicherheit ist in solchen Situationen, die Isolation zu durchbrechen und den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Man könnte z.B. Passanten in der Nähe, Angestellte, Freunde oder Familie ansprechen oder anrufen.

Bei einer Situation wie im Bus sollte man deutlich machen, dass man diese Nähe nicht wünscht und sich direkt an einen Fahrgast oder an das Betriebspersonal wenden. Denn ohne das Setzen von klaren Grenzen, wird das Eindringen in die persönliche Schutzzone automatisch leichter für Täter, die dadurch schon fast „ermutigt“ werden. Dessen Verhalten darf in keinster Weise stillschweigend akzeptiert werden. Gedanken wie „Ist das nicht ein bisschen sehr nah?“, „Ich fühle mich persönlich belästigt.“, „Möchte ich das?“ sollten klare Warnsignale sein, dass hier gerade ein Übergriff in die Privatsphäre stattfindet. Frauen übernehmen oft eine deeskalierende Funktion in der Gesellschaft, was häufig zur Folge hat, dass selbst solche Grenzüberschreitungen im Kopf einer Frau bagatellisiert werden, durch weitere Gedanken wie: „So schlimm ist das doch nicht!“ oder „Er steigt bestimmt gleich aus.“ usw.

Hat das etwas mit Selbstbewusstsein zu tun? Frau sollte sich bewusst machen, was sie ganz persönlich möchte! Wenn sie diese Nähe nicht möchte, sollte jeder Mensch das Recht haben, dies zu äußern, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass die Mitmenschen mit Kopfschütteln und Augenrollen darauf reagieren.

Können Sie sich vorstellen, anderen Passanten zu sagen, dass ihnen diese aufdringliche Nähe Angst macht? Gar nicht so einfach, auf einmal! Aber Frage ich doch mal anders herum:

Was würden Sie tun, wenn sich jemand an Sie wendet? Würden Sie diese Person ignorieren? Bestimmt nicht oder? Würden Sie helfen? Klar! Ihnen würde also auch geholfen werden.

Der schmale Grat zwischen normaler sozialer Interaktion und einem Übergriff ist schnell überschritten und da ist das klare Abgrenzen, vor allem als Frau, der erste Schritt der Verteidigung. Sollten Sie alleine Unterwegs sein, rufen Sie jemanden an. Telefonieren Sie und geben sie an, wo Sie sind. So kann ihnen im Notfall schnell Hilfe geschickt werden. Beschreiben Sie die Person, die sie ggf. belästigt. Das deckt die geheime Identität des Täters zum gewissen Maße auf. Die Isolation eines potentiellen Opfers ist für einen Täte ausschlaggebend. Dank Smartphone kann man jederzeit in Gesellschaft sein. Noch ein wichtiger Tipp: Schreiben Sie keine SMS oder Ähnliches, da dies keine direkte Kommunikation ist und es Sie noch mehr von ihrer Umwelt isoliert, ist das keine Option sich zu schützen. Sie fokussieren sich auf Ihr Smartphone und können die Umgebung nicht nach Auswegen, Passanten absuchen. Bleiben Sie präsent.

Mit ihrer Körpersprache präsentieren sie Ihren Mitmenschen, wie Sie wahrgenommen werden wollen. Das kann man durch Körperhaltung ganz aktiv beeinflussen.

Versuchen Sie stets einen wachen und offenen Blick in Ihrer Umgebung zu haben. Gehen Sie aufrecht indem sie die Schulterblätter aktivieren. Entspannen sie ihren Blick und ihre Hände. Eine verkrampfte Körperhaltung weist darauf hin, dass sie entweder aggressiv sind oder angst haben. Beides wirkt provozierend auf Täter.

Vermeiden Sie es, auch nach einem harten Arbeitstag, mit hängenden Schultern durch die Straßen zu gehen, ein Körpersprache, die sagt „Bitte beachtet mich nicht!“ bewirkt oft das genaue Gegenteil. Ihr Körper wirkt mit der Haltung zudem auf ihre geistige Gefühlslage. Je selbstbewusster sie stehen und gehen desto selbstbewusster werden sie sich fühlen.

Vergessen sie nie: Ein Täter sucht Opfer und keine Gegner!

Aber was passiert, wenn trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen jemand handgreiflich wird und man so in Not gerät? Viele spielen mit dem Gedanken sich Pfefferspray zu besorgen. Pfefferspray unterliegt nicht dem Waffengesetz und dadurch ist der private Besitz erlaubt, da es eigentlich nur zur Abwehr von Tieren vorgesehen ist. Die Anwendung bei einem Menschen ist jedoch selbst in einer Selbstverteidigungssituation fragwürdig und könnte vor Gericht das eigentliche Opfer sogar in eine missliche Lage bringen. Unabhängig davon ist die Panik groß, wenn das Spray zu Hause auf der Kommode liegen geblieben ist. Die Angst ist dadurch größer als vorher. Man fühlt sich noch ungeschützter. Ob man sich nun diesen Spray besorgt, sollte jeder für sich entscheiden. In manchen Selbstverteidigungskursen wird von „handtaschen-üblichen Accessoires“ gesprochen, die im Notfall Schutz bieten können. Haarspray oder Deo im Mini-Format sind oft in den Handtaschen einer Frau zu finden. Schlüssel und Kugelschreiber sind ebenfalls Mittel, die in gewissen Situationen nützlich sein können. Um sich Bestens vor einem Angriff zu schützen, sollte zuvor in Erwägung ziehen, an einem Selbstverteidigungskurs zu belegen. Das Training und die Routine bringen gleichzeitig ein gestärktes Selbstwertgefühl mit sich.

In Selbstverteidigungskursen erlernt man Techniken, die explizit darauf ausgerichtet sind, mit der Kraft des Gegners zu arbeiten und ihn dann in die Flucht zu schlagen. Große Körperkraft ist für die Verteidigung gar nicht so wichtig und auch nicht nötig. Selbstverteidigungstechniken funktionieren über die Gelenke, die in bestimmten Positionen jede Bewegung blockieren können. Der Täter trifft unerwartet auf Widerstand und nicht auf das erhoffte leichte Opfer, sodass er von seinem Vorhaben ablässt. Schreien ist ebenfalls eine effektive Selbstverteidigungstechnik, die jedoch Übung braucht, damit man auch im Notfall den Mut aufbringt. All dies und vor allem die mentale Vorbereitung auf so eine Notfallsituation sind Inhalte eines guten Selbstverteidigungskurses.

Zum Ende noch ein Hinweis: Frauen die Gewalt erleben, kennen laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Täter in mehr als 50% der Fälle. Oft ist es der eigene Partner. Auch hier beginnt die erste Selbstverteidigung mit dem Durchbrechen der Isolation. Die Institution „ Weisser Ring“ unterstützt Frauen die Opfer von Gewalt wurden. (Mehr Infos: http://weisser-ring.de/ / Telefonnr.: 116 006).

Wer Interesse hat schreibt direkt eine Mail an Yasmin@Selfdefense-hamburg.de wo und wann der nächste Kurs stattfindet oder Fragt nach guten und sicheren Adressen im Bereich Kampfsport in ihrer/seiner Umgebung.