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Wo kommt dieser Fitness-Hype her? -Mein Körper sagt dir, wer ich bin!-

Lange ist der letzte Fitnessblog-Eintrag her. Die Themen in der Wissenschaft waren eher praktischer Natur und ein bisschen viel unterwegs. Heute bin ich über in meiner Klausuren-Vorbereitung über ein interessantes Thema gestolpert, dass mich unterschwellig schon lange beschäftigt! IMG_2338

Wo kommt eigentlich dieser Fitness-Hype her?

Der Fitness- und Körper-Hype der letzten Jahre eröffnete mir als freiberufliche Trainerin ein Aufschwung meine beruflichen Karriere. Vor 9 Jahren war die berufliche Orientierung im Sportbereich noch nicht mal zu versichern! „Ihren Beruf haben wir garnicht aufgelistet, um sie zu versichern. Sind sie sowas wie ein Physiotherapeut?“, wurde ich damals von einem Versicherungsagent gefragt worden. Viele fragten: „Kann man damit auch Geld verdienen könne? „ Und: „Was machst du Hauptberuflich? Das ist doch nur Nebenbei, oder?“.

Mittlerweile sind Ausbildung- und Studien-Lehrgänge dazu gekommen, Fitness-Firmen mit Spitzenumsätzen bewegen die freie Marktwirtschaft ( McFit und Co.). Massen von Menschen bewegen sich Medial auf Instagram als #Fitfam und pilgern zu Fitnessmessen, wie der FiBo und so. 

Jeder ist am joggen, isst Lowcarb mit dem Hashtag #heathylife und hat min. eine Woche schonmal vegan gelebt. Viele haben eine oder mehrere Fitness-/ Filter-Apps auf ihren Smartphone und zählt ihre Schritte am Tag. Essen wird gewogen, eingetippt, fotografiert und verlinkt. Auch die Ernährung ist klarer Repräsentant für den Körper geworden!

Doch wieso entsteht in unserem Heute eine so starke „Verkörperung“, wenn unsere Arbeitswelt noch nie so fern von physischer Produktivität war? Was ist passiert?

Die Antwort liegt in der Frage verborgen.

Der Start liegt nahe der 70er Jahre, wo die Deindustrialisierung startet und politische Bewegung wie z.B. von freigeistigen Studenten, ethnischen Minderheiten und Frauen eine weitere Transformation der Gesellschaft provozierten. 

Die Globalisierung führte in der westlichen Welt dazu, dass die Produktivität an Roboter und an Schwellenländer abgetreten werden konnte. Somit war die physische Kraft nicht mehr notwendig um Produktivität zu gewährleisten. 

Hierzu entwickelte sich die Medialisierung der Gesellschaft: Bildung und mentale Arbeitsleistung gewann Relevanz in der Arbeitswelt. Sitzen und tippen, schreiben, reden, denken und dabei die  Bewegungsarmut des Körpers ertragen, war die Errungenschaft der zweiten Moderen. Nun war es möglich einen perfekten Körper am Pc zu gestalten und neue ideale zu kreieren. 

Doch  der immense Druck blieb: die hohe Leistungsbereitschaft im Kopf schadet der niedrigen Leistungsbereitschaft des Körpers. Neue Krankheiten bilden sich, bzw. Lassen die Gesellschaft unter  verfrühten altersbedingten Krankheiten leiden. 

Die physische Arbeit, um den Körper wieder „in Balance „ zu bekommen, musste somit in der Freizeit vollzogen werden. Unter wichtigen Kriterien:

1. Es MUSS Spaß bringt, 

2. es soll einen Ausgleich zur Arbeit schaffen, ( sei es mit Entspannung Yoga / Meditation oder mit einen hardcore Fatburnerkurs )  und 

3. es muss Gesellschaftlich einen Mehrwert haben. 

Das heißt, ich sorge mich in meiner Freizeit nicht nur um die reinen Regenerierung und Aktivierung meines Körpers, sondern versuche mich Gesellschaftlich dadurch zu integrieren und zeitgleich als  „besonderes“ Individuum zu positionieren. Macht wurde schon immer über den Körper und Bewegung kulturell transportiert!

Zudem kommt noch eine Sachen hinzu; persönliche Bindungen werden digitalisiert! 
Menschen vereinsamen privat und beruflich, zudem kommt im privaten Sektor, dass Familienbündnisse nicht das ganze Leben halten und nicht mehr so groß aufgestellt sind. Sich Gesellschaftlich mit der bestehenden Bewegunsgarmut zu integrieren fällt somit schwerer und das bedeutet, es muss an anderer Stelle kompensiert werden. Das geht über den Körpr, der in der „Freizeit“ genutzt wird am Besten:

  1. Der Körper wird als Instrument und Produkt des sozialen Handels genutzt,
  2. er ist Repräsentant der sozialen Ordnung und
  3. er dient als Argument für die sozialen in-/Exklusion.

Der Körper ist zu einer Visitenkarte geworden. IMG_2210

Der vergangene Arbeitskörper der Industrialisierung, der als Maschine verbraucht wurde, ist nun zu einem ästhetischen Fitnesskörper der Mediengesellschaft umfunktioniert worden. 

Wir wissen nun, dass er ist nicht von Gott gegeben, sondern Optimierter und vor allem: Modifizierbar ist. Sportlichen Eigenschaften werden auf charakterliche Eigenschaften zurückgeschlossen: 

Ein Boxer ist ein Mann mit Ausdauer, der sich im Leben „durchboxen“ kann…könnte man denken! Die Tänzerin und Ballerina, die mit ihren weichen Bewegungen für Anmut steht, wird eine sanftmütige Freundin sein, die keiner Fliege etwas zur Leide tun könnte…würde man denken! Die sixpack geladene Personal Trainerin, eine 24/7 sporttreibende Athletin und Businesswoman, aber keine Mami mit Zwillingen und 2 zwei weiteren Kids…könnte man denken! Wir transportieren oft das was wir ( am Körper) sehen auf innere Eigenschaften und ziehen dadurch voreilig Schlüsse. 

Trugschlüsse bleiben da nicht aus. Die Menschen legen heute viel mehr Wert auf Äußeres und das lässt sich über den Körper vermarken. Die Ethik wird verdrängt von der Ästhetik.

Nun ist klar, wieso der Hype sich in dieser Zeit so entwickelt. In einer digitalen Welt, die in Dimensionen erschafft, die fern ab der Realität sind, versuchen wir in unseren hier und jetzt übermenschliche körperliche Leistungen zu erzielen, durch Doping und Genmanipulation.  Körperliche ideale von Pixel erschaffen, werden realisiert, durch chirurgische eingriffe in der Medizin. Der Körper Hype nimmt vor kaum einer Branche halt.

Interessant zu beobachten ist jedoch, dass die Weltbevölkerung und vor allem unsere Kinder noch sie so Dick waren, wie heute. Es gibt also eine parallel distinktive Entwicklung.

Es bleibt abzuwarten, in welches extrem uns beide Entwicklungen weiter treiben und wie sich dann sozial umgesetzt wird. 

Viel spaß später beim Sport und das Selfie nicht vergessen ;P 

 

Quellen 

Gabriele Klein: Das Theater des Körpers. Zur Performanz des Körperlichen, erscheint in: Markus Schroer (Hg.), Körpersoziologie, Frank- furt/M.: Suhrkamp 2004. 

Pierre Bourdieu: Zur Soziologie der symbolischen Formen, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 21983.

George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus, Frankfurt/M.: Suhrkamp 31978; ders.: Körper und Geist, in: ders.: Gesammelte Aufsätze, Bd. 2, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1987.

Judith Butler: Hass spricht. Berlin: Berlin-Verlag 1998.

Gunter Gebauer: Bewegung, in: Christoph Wulf (Hg.), Vom Menschen: Handbuch Historische Anthropologie, Weinheim: Beltz 1997.