Ist Gewalt in der Partnerschaft heute schon normal?  

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„Gewalt“ in der Partnerschaft wird insgesamt mit den Straftatenbereichen Mord und Totschlag, Körperverletzungen jeglicher Art, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking definiert. Seit 2017 wurde der Straftatenbereich erweitert, damit die neue Gesetzeslage „zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung“ beträgt. ( Quelle: Partnerschaftsgewalt, Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2017).Hinzu kamen:

-Bedrohung, Stalking, Nötigung (psychische Gewalt)

-Freiheitsberaubung

-Zuhälterei und

-Zwangsprostitution.

Das bedeutet, dass die Bereiche ausgeweitet wurden, auf der Gewalt in einer Partnerschaft entstehen könnten. Zuvor konnten sie nicht als Straftat definiert werden und waren somit legitim. 

Wenn wir die Statistik anschauen und 2013 mit 2017 ( ohne die neuen Straftatenbereiche) gibt es einen Anstieg von 9,3 %  der erfassten Opfer. Dabei haben wir keine Ahnung, wieviele Menschen die Gewalt weiterhin ertragen und es nicht zur Anklage kam.

Die Gewalt in der Partnerschaft hat ein flächendeckendes Problem:

In erster Linie, kann Gewalt nicht auf das Geschlecht reduziert werden. Zu beachten ist jedoch, dass die Opfer in den meisten Straftatenbereichen zu mehr als 80% weiblich sind, im Bereich der sexualisierten Gewalt ist die Anzahl noch höher. Das heißt, die Opfer einer Straftaten bei denen es zu einer Anklage kam, waren meist weiblich. Hieraus kann jedoch nicht hergeleitet werden, wieviele weibliche oder männliche Personen in einer Partnerschaft unter Gewalteinflüssen leiden.

Wir haben es bei Gewalt in der Partnerschaft mit zwei verschiedenen Arten von Gewalt zu tun, die meiner Meinung nach, geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgelebt werden.

 

Frauen erleiden in Partnerschaften stark ausgeprägte körperliche / sexualisierte Gewalt.Sie werden dominiert und damit eingehend, erniedrigt. Die körperliche Gewalt ist die Eisspitze des Berges, die in der Perversität und Dauer grenzenlos Unterschiedlich sein kann. Einige Frauen erleben das Ausmaß der körperlichen Gewalt einmal, andere über Jahrzehnte.

Der Weg dorthin ist meist der Gleiche:

-Die ersten Schritte sind verbal; die Kompromissbereitschaft wird weniger, die Stimme lauter, der Ton bestimmter und die Worte immer beleidigender.

-Starken Gefühlsausbrüchen folgen, die immer seltener entschuldigt werden. ( Er wird sich ( wenn überhaupt) nur entschuldigen, wenn die nächste Ebene an Gewalt erreicht wurde. )

– Letztlich werden Objekte genutzt, um Aggression zu kompensieren. Gegenstände oder Fäuste werden gegen die Wand geschlagen, Türen geknallt oder zerbrochen.

– An der Spitze des Eisbergs angekommen, wird die Aggression an dem Partner ausgelebt.

Sollten die Partner während der Phase mit einander Geschlechtsverkehr haben, ist auch hier eine Veränderung zu erkennen. Der Partner wird dominanter, Schläge mit der offenen Hand werden so intensiv, das Hämatome sich bilden, Würgen und andere Machtspiele kommen hinzu. Diese Art von Gewalt erleben zum größten Teil Frauen. Die daraus folgenden psychischen Leiden, sind nach solch einer körperlichen Gewalttat nicht wegzudenken.

Die Art von Gewalt der Männer ausgesetzt sind, gehört nicht zur körperlichen Natur.

Oft erzählen mir Männer unter welchem immensen psychischen Druck sie in einer vorherigen Beziehung litten. Dabei geht es oft um fanatischen Kontrollwahn, Eifersucht, einhergehend damit Stalking, materielle Erpressung oder psychische Manipulation. Statistisch ist es schwer nachzuweisen, wann das Verhalten eines Partners auf psychischer Ebene krankhaft wird und als „Gewaltakt“ definiert werden kann.

Die Schäden solch einer Gewalt lassen sich nur erahnen und letztlich im Verhalten der Männer erkennen. Für sie ist die Verletzlichkeit an der Stelle, genau so wie bei Frauen, zusätzlich mit Scharm belastet. Sie schämen sich „so schwach gewesen zu sein“ und denken oft, daraus folgend „ härter“ sein zu müssen. Sie leiden unter Bindungsunfähigkeit, da die selbsterbauten inneren Mauern, sie von Mitgefühl und Zuneigung abtrennen. Das gleiche passiert mit weiblichen Opfern, nur das sie nicht „härter“ sein wollen, sondern innerlich eine Distanz aufbauen.
Egal ob das Opfer männlich oder weiblich ist, ich erlebe kaum einen Menschen, der nicht leid in einer Partnerschaft erlebt hat. 

Das Fazit aus dieser Erkenntnis ist, dass die Kompensation von Druck und eine zu geringe Frusttoleranzgrenze uns immer mehr dahin führt, dass wir unseren Liebsten auf gewaltvoller Art ausnutzen. Wir benutzen unseren Partner, um uns zu regulieren, um Druck abzubauen oder um uns zu Profilieren.

Jeder einzelne von uns, muss verstehen, das Beziehungen und Partner heutzutage kein „must-have“ ist, dass wir besitzen müssen, um uns gesellschaftlich besser zu positionieren. Wir sollten lernen, Beziehungen einzugehen, wenn Mitgefühl und Emotionen auf beiden Seiten in die gleiche Richtung schauen. Wo ein miteinander, Unterstützung und Respekt der Boden ist, auf dem die Reise geht. Es ist keine gute Idee das Leid der vorherigen Partnerschaft „an dem nächsten Partner auszulassen“, es ist auch keine gute Idee eine Partnerschaft zu führen „nur um nicht alleine sein zu müssen“- All diese Sätze, höre ich leider zu oft und bringen uns dahin, wo wir heute sind.

Wir leben in einer reflektierten Gesellschaft, die jegliche Informationen besitzt und versteht, was Leid und Gewalt bedeutet und trotzdem unfähig ist, Mitgefühl und Selbstregulierung in einer Partnerschaft zu leben. Wir sollten uns in die Richtung einer Gesellschaft entwickeln, wo Gewalt in Partnerschaft Unnormal geworden ist und uns an den wenigen Beispielen, wo das schon der Fall ist, orientieren.